Geschichte
Anlass zur Vereinsgründung war der im Jahre 1992 drohende generelle
Leinenzwang für Münchner Hunde. Durch das damals in den Medien
hochgespielte Thema "Kampfhund" glaubten unsere Politiker in Stadt
und Land, sich hier ums Bürgerwohl verdient machen zu können.
Hektischer Aktionismus begann, Experten wurden befragt, aber nicht
verstanden, die Hundefeinde sahen glänzenden Zeiten entgegen. Doch
unter den Hundehaltern regte sich langsam Widerstand. Die jetzige
1. Vorsitzende, Frau Astrid Ebenhoch, beschloss, dem ewigen Lamentieren
ein Ende zu setzen und stattdessen Worten Taten folgen zu lassen. In
Zusammenarbeit mit Frau Dr. Feddersen-Petersen (seit mehr als 20 Jahren
als Wissenschaftlerin für Verhaltenskunde/ Ethologie tätig) entstand die
Idee des Vereins. Die Notwendigkeit, eine Organisation für artgemäße
Hundehaltung zu gründen und die Interessen der Hundehalter wahrzunehmen,
erkannte auch Dr. Manfred Fleischer, damals MdL, der Frau Ebenhoch in
ihrem Vorhaben unterstützte. Die Gründungsversammlung fand am 27.4.1992
im Bayernstüberl des Bayrischen Landtages statt.
Gemeinsam mit vielen Hundehaltern, Tierschutzorganisationen, Tierärzten
und anderen engagierten Helfern wurde zunächst eine große Anzeige in der
Süddeutschen Zeitung lanciert, um den Verein bekannt zu machen und zu
zeigen, dass der generelle Leinenzwang nicht hingenommen werden würde,
da dieser artgemäße Hundehaltung unmöglich machte. Nach einem Jahr hatte
der Verein bereits über 200 Mitglieder, nicht nur in und um München,
sondern überall im Bundesgebiet. Mit Hilfe und Unterstützung von Politikern
wie auch Landtagsabgeordneten von der CSU gelang es, trotz Fraktionszwang,
eine Ahnhörung zahlreicher Wissenschaftler und dem damaligen Präsidenten der
Tierärztekammer durchzusetzen. Alle kamen zu dem
Ergebnis, dass genereller Leinenzwang artgemäße Hundehaltung nicht nur
unmöglich macht, sondern Aggressionsverhalten bei Hunden erst entstehen
lässt. Im Anschluss darauf, wurde Art. 18 das Landesstraf– und
Verordnungsgesetzes, durch das alle Kommunen ermächtigt wurden "das freie
Umherlaufen von Hunden einzuschränken", relativiert.
Zwar wurden die Kommunen ermächtigt, entsprechende Verordnungen zu erlassen,
es wurde jedoch darauf verwiesen, dass "dem Bewegungsbedürfnis der Hunde
(...) Rechnung zu tragen” sei. Wie mit diesem Gesetz umgegangen wird, sehen
wir bis heute. Immer wieder wenden sich Hundebesitzer, zum Teil aus Orten
mit 500 Einwohnern und 25 Hunden an uns und bitten um Hilfe, das Vorhaben
der Gemeinden, generellen rechtswidrigen Leinenzwang zu erlassen, zu
verhindern. Handlungsbedarf gibt es meist nie. Immer wieder muss auf die
Einhaltung des Art. 18 des Landesstraf- u. Verordnungsgesetzes und des
Tierschutzgesetzes hingewiesen werden. In anderen Bundesländern haben sich
die Voraussetzungen für die Hundebesitzer und deren Hunde nicht verbessert.
Im Gegenteil, es zeichnet sich eine gewisse Methodik ab, durch entsprechende
Verordnungen oder Gesetze, das artgemäße Halten von Hunden nicht nur in den
Städten, sondern auch auf dem Land, unmöglich zu machen.
Sinn des Vereins ist es jedoch nicht nur, bezüglich tierschutzrelevanter
Gesetze oder Verordnungen Widerstand zu demonstrieren, sondern hauptsächlich,
konstruktiv das Miteinander von Hunden und Besitzern und den anderen Menschen
in unserer Gesellschaft zu gestalten, Aufklärungsarbeit zu leisten und
Hilfestellung zu geben. Wir sehen leider allzu deutlich, dass auch in den
eigenen Reihen, sprich unter Hundehaltern, viel dazu beigetragen wird, die
latente Hundefeindlichkeit in der Bevölkerung zu verstärken, da vielfach aus
Unkenntnis nicht auf die Bedürfnisse des Hundes eingegangen wird. Ein Hund,
der dreimal am Tag - an der kurzen Leine - um den Häuserblock geführt wird,
hat keine Möglichkeit, sich einen Platz im Unterholz zu suchen, um seinen Kot
abzusetzen, geschweige denn eine Chance, sein Bewegungsbedürfnis auszuleben.
Dass ein Hund in der Stadt oder Fußgängerzone, wenn er denn mitgenommen werden
muss – auch zu seiner eigenen Sicherheit - an der Leine zu führen ist, steht
selbstverständlich außer Frage.
Als wichtigster Punkt schien es uns daher, Prävention! Durch das Angebot
unserer Welpen - und Erziehungskurse mit den dazugehörenden Vorträgen,
Aufklärungsarbeit und Hilfe für Hund und Besitzer zu leisten, wie ein Hund
zu einem sozialverträglichen Mitlebewesen sozialisiert und erzogen werden
kann. Leider sind es viele, vor allem kleine Hunde, die ein Leben an der
Leine verbringen müssen, weil sie nicht erzogen sind. "Eididei und duzi
duzi” ist für die Erziehung eines Hundes, der vom Wolf abstammt, eben nicht
geeignet, sondern eher tierschutzrelevante Vermenschlichung. Uns liegt deshalb
daran, verständlich zu machen, dass ein Hund - wie alle Säugetiere - ein
soziales Lebewesen ist und auch Kontakt, z.B. zu anderen Artgenossen benötigt.
Die größten Missverständnisse entstehen durch die Unkenntnis des Menschen
seinem, seit 14.000 Jahren mit ihm lebenden, Sozialpartner Hund gegenüber.
Als Pionier veranstaltete die GAH mit kompetenten Referenten, über den Zeitraum
von 8 Jahren jährlich 20 ganzheitlich zusammen gestellte Fortbildungsseminare,
für Tierärzte und Trainer um immer noch praktizierten "Erziehungsmethoden aus
der Steinzeit”, ein Ende zu setzen! Bei modernen artgemäßen Erziehungsmethoden,
die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Ethologie und der Lernpsychologie
beruhen, ist z.B. der Einsatz von Stachel - und Würgehalsband oder militärischem
Drill nicht nur überflüssig und unerwünscht, sondern unter Berücksichtigung des
Lernverhaltens und der Intelligenz eines Hundes sogar kontraproduktiv. Als wir
1993 mit unseren Welpenkursen begonnen haben, wurden wir belächelt, heute ist
es so, als sei dies das "Normalste" der Welt. Weitere Kompetenzen und
Aktivitäten des Vereins liegen in der Platzvermittlung von Hunden, der Beratung,
z.B. vor der Anschaffung eines Hundes, der generellen Unterstützung und Betreuung
sowie der Lösung von Verhaltensproblemen bei Hunden. Wir versuchen, Hundebesitzern,
die sich aus dem ganzen Bundesgebiet an uns wenden, mit Rat und Tat zur Seite zu
stehen.
Weiterhin engagieren wir uns aktiv gegen die gravierenden Missstände im Bereich
Hundezucht und Hundehandel. Es ist zu bedauern, dass der VDH trotz unvergleichlich
größerer finanzieller Mittel im Kampf gegen tierquälerische Hundehändler,
zuchtbedingter degenerativer Erkrankungen oder Qualzuchten kein Engagement zeigt.
Statt dessen setzte sich der VDH in der Vergangenheit z.B. dafür ein, das von der
Bundesregierung geplante Kupierverbot, das wir aus tierschützerischer und vor allem
verhaltenswissenschaftlicher Sicht für unverzichtbar halten, zu verhindern... Seit 10
Jahren arbeiten wir erfolgreich mit der Verwaltung des Englischen Gartens zusammen,
die uns bei unserer präventiven Arbeit mit einem uns zur Verfügung gestellten
Grundstück unterstützt.
Unsere präventive Arbeit sichert die friedliche Koexistenz zwischen Hund und Mensch
im Englischen Garten. Seit 1993 bis heute sind die Zahlen der früher auffällig
gewordenen Hunde gegen Null gesunken.
Hundebesitzer haben keine Lobby! Um die Interessen der Hundehalter wahrnehmen zu
können, sind wir auf Spenden und Mitglieder angewiesen.










