Die Sinnlosigkeit des generellen Leinen,- und Maulkorbzwang für Hunde
Astrid Ebenhoch 07.07.2005

Pressestellungnahme zu dem Artikel vom 7.7.2005 die Presse Wien: "Psychokrieg um 100.000 Hunde"

Am Beispiel der Stadt Wien und die "Probleme" mit ihren Hunden, ist zu sehen was ein genereller Leinen,- und Maulkorbzwang "nützt" und bewirkt. In diesem Zusammenhang würde mich auch die Zahl der auffällig gewordenen Hunde interessieren, die durch solche tierschutzrelevanten Maßnahmen wie Leinenzwang für Hunde - per Gesetz - verhaltensauffällig wurden. Schon längst ist wissenschaftlich bewiesen, dass durch solche tierschutzrelevanten Verordnungen - nicht nur schmutzige Straßen - sondern auch und vor allem aggressives Verhalten, also Verhaltensauffälligkeiten erst entstehen.

Im Übrigen werden durch solche Maßnahmen auch keine "Sicherheitsprobleme", für die asoziale Randgruppen in der Bevölkerung verantwortlich sind gelöst, die bestimmte Hunderassen missbrauchen und illegal züchten oder halten. Monster sind nicht die Hunde sondern Menschen, die wie an dem mittlerweile peinlichem Beispiel in Hamburg offensichtlich aus Unfähigkeit auch der Politiker, nicht zur Resong gebracht werden können. Wenn die Exikutive offensichtlich vor einem bestimmten "Milieu" in der Bevölkerung "zittert" und die Probleme mit dieser nicht in der Lage ist in Griff zu bekommen, dann müssen eben per "Rund um Schlag" alle anderen, unschuldigen, zivilisierten Zamperl darunter leiden. Das Ergebnis und die Effizienz solcher Maßnahmen, wird ähnlich sein wie in Wien.

In dieser Stadt, die offensichtlich Hundefeindlich ist und Hundehalter wie in vielen anderen Städten eine Minderheit darstellen, ist die Gesellschaft gespalten. Hunde die hier leben müssen, sind zu bedauern. Wie "Schwerverbrecher " müssen sie hier an der Leine und mit Maulkorb geführt werden und dürfen "nirgends" frei laufen und die restliche Bevölkerung ...... verwechselt Hunde mit "menschenfressenden Monstern". Das Hunde auch an der Leine auch mal "müssen", ist hier offensichtlich übersehen worden. Wie man sieht, lösen diese tierschutzrelevanten Verordnungen und Gesetze auch solches "Problem" nicht. Wenn die Hunde und ihre Besitzer nicht stigmatisiert,- sondern ihnen auch die Möglichkeit gegeben würde ihre Tiere artgerecht zu halten, dann wären diese wahrscheinlich auch bemüht - wie hier in München - für ihre eingeräumten Privilegien etwas zu tun und nicht nur den Hundekot freiwillig wegräumen, sondern auch das Image der Hundehalter durch Vorbildfunktion dauerhaft verbessern.

Hunde sind übrigens höher entwickelte, intelligente Säugetiere mit enormen Fähigkeiten und keine "menschenfressenden Monster", wie dies Studien des Max-Plank-Institut in Harvard (USA) und Leipzig schon lange belegen, die wichtige soziale Funktionen übernommen haben. Sie haben es nicht verdient, dass mit ihnen - im Dienste des Menschen - der für sie Verantwortung übernommen hat, so umgegangen wird. Zur Hybris der Menschen, der Entwicklung von Empathie und und dem Verständnis ihnen gegenüber, ist in diesem Kontext die Originalfassung des Films "Planet der Affen" zu empfehlen. "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt", sagte einmal Mahatma Gandhi.

Das Ergebnis von solchen per Gesetz angeordneten Maßnahmen ist dann Ignoranz der Menschen, was nicht verwunderlich ist. Im übrigen hat die Stadt Wien mit Sicherheit die Möglichkeit per Ordnungsrecht ein Bußgeld bei Verunreinigung zu erheben. Nur wird dies das Problem nicht nachhaltig lösen. Wie in anderen Städten Bayerns und der Schweiz, wo schon längst zur Beseitigung der Hinterlassenschaften Dog-Stationen aufgestellt wurden, tragen solche Maßnahmen zum Umerziehungsprozess bei und bewirken, dass Hundebesitzer auch "Eigenverantwortung" übernehmen. Einen freiwilligen Hundeführerschein wie in Bayern einzuführen, ist mit Sicherheit ein guter Ansatz. Um Hundebesitzer hierdurch Sachkundig zu machen und zu bewirken, dass Hunde erzogen,- und nicht auffällig werden, diese in der Öffentlichkeit positiv und nicht negativ wahrgenommen werden, gehört allerdings auch die artgemäße Hundehaltung und die ist ja in Wien - per Gesetz - verboten, im Gegensatz zu Bayern. Um diese Probleme erfolgreich "miteinander" zu lösen, müsste die Stadt Wien auch an Tierschutz, also artgemäße Hundehaltung und nicht an generellen Leinenzwang denken. Politiker sollten hier damit beginnen Vorbildfunktion zu übernehmen, dann müssten sie auch nicht um Wählerstimmen fürchten. Ein "Kommissar Rex" allein - von denen wir in München mittlerweile jede Menge haben - reicht eben als Aushängeschild für Wien nicht aus und "fällt auch nicht vom Himmel"!

Martina Hirschmann
Presse - und Öffentlichkeitsarbeit
GAH - Gesellschaft für artgemäße Hundehaltung e.V.
Tel.: (089) 34 97 14
FAX: (089) 33 08 81 12
Email: martinah@tresor.tv
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Psychokrieg um 100.000 Hunde in Wien
VON MANFRED SEEH (Die Presse) 07.07.2005

Das Thema "Hunde in der Großstadt" lässt Emotionen hochgehen - Ruf nach mehr Kontrollen.

So mancher Großstädter würde Hunde lieber hinter Gittern sehen. | (c) APA

WIEN. Gibt es eine vergleichbare Großstadt, in der so viel Hundekot auf den Straßen "hinterlassen" wird, wie in Wien? Wohl kaum, bei (hochgerechnet) 30 Tonnen pro Tag. Sind Hundehalter (nicht alle, aber viele) anderswo auch so undiszipliniert? Wohl kaum - geschätzte 50.000 Hunde sind in Wien nicht einmal angemeldet. Wird die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen anderswo auch so wenig kontrolliert? Wohl kaum, zumal sich keine Behörde verantwortlich fühlt. Was also muss passieren, damit es besser wird?

Die Emotionen, die das Thema "Hund" in Wien freisetzt, sind enorm - auch nach jedem "Presse"-Artikel/Kommentar. Das Ganze ist selbst politisch heikel. Welcher Politiker will schon bedingungslos pro oder contra Hund sein? Eben. Da passt es ins Bild, dass der "Hundeführerschein", der 2006 eingeführt werden soll, auf Freiwilligkeit basiert.

Das politische Bekenntnis liest sich so: Wir wollen ein friedliches Miteinander. Wir wollen, dass Hundebesitzer "eigenverantwortlich" handeln (die "Trümmerln" wegräumen, Hunde auf Spielplätzen an die Leine nehmen etc). Die Realität sieht anders aus: Es wird gestritten. Zum Beispiel in Parkanlagen, wenn spielende Hunde das Terrain spielender Kinder erobern.

Unmut ist auch auf Seiten der Hundehalter berechtigt. Etwa wenn bei Bedarf weit und breit keines jener Hundesets zu finden ist, welche die Stadt immer verspricht. Oder wenn man in der Innenstadt vergeblich ein paar Quadratmeter Grün sucht.

Derzeit läuft ein städtisches "Pilotprojekt" in den Bezirken 9, 11, 12, 16 - Mitarbeiter der Straßenreinigung (MA 48) reichen Hundebesitzern ein Sackerl zur "Entsorgung" oder zeigen - buchstäblich - die rote Karte, wenn jemand die Ausscheidungen seines Vierbeiners nicht (wie vorgeschrieben) wegräumt. Im Herbst will man Bilanz ziehen ...

49.856 Hunde sind derzeit in Wien gemeldet. Die Dunkelziffer liegt, wie erwähnt, bei 100.000 Tieren. Die Einnahmen aus der jährlichen Hundeabgabe ("Hundesteuer") - 43,60 Euro für den ersten Hund, 65,40 Euro für jeden weiteren - belaufen sich auf 2,2 Millionen Euro. Zweckbindung, etwa für die Errichtung von Hundezonen, gibt es keine. 112 derartige Flächen gibt es in der Stadt. Andererseits gibt es 153 Zonen, in denen Hunde ausdrücklich verboten sind. Von strengeren Regeln abgesehen, müssen Hunde Beißkorb tragen oder an der Leine geführt werden (siehe Kasten).

Fakten, die den Hintergrund des ins Psychologische reichenden, permanenten Konflikts bilden. Psychologin und Psychotherapeutin Evelyn Summhammer dazu: Würden undisziplinierten Hundebesitzern "Konsequenzen" aufgezeigt, wäre das auch ein Signal an die "Nicht-Hundebesitzer".

Ernsthafte Kontrollen bzw. Verwaltungsstrafen würden bei Hundehaltern wirken, "wie bei einem Kind, das auf die Herdplatte greift". Und bei jenen, die mit uneinsichtigen Hundeführern ein Problem haben, würde sich der positive Effekt einstellen: "Ich habe das Gefühl, dass etwas für mich getan wird."

Hundebesitzer mit einem besseren Angebot zu "unterstützen" sei - psychologisch gesehen - wünschenswert. Würde es etwa überall Hundekot-Säcke geben, hätten Besitzer das Gefühl: "Aha, die Stadt tut was für uns."

Warum werden gerade in der Stadt so viele Hunde gehalten? "Am Land sind alte Menschen eher in Beziehungen eingebunden. In der Stadt ist die Einsamkeit der Alten zentriert", sagt Summhammer. Hier gleiche die Mensch-Tier-Beziehung fehlende Sozialkontakte aus.

Hunde-Experten packen die Wiener Problematik eher formell an. "Jedes Gesetz ist so gut, wie seine Kontrollen", sagt Gerd Weiß, Vorstandsmitglied des Österreichischen Kynologenverbandes. Polizisten sollten nicht wegschauen, sondern einschreiten, wo sie "Hunde-Sünden" sehen.

Darüber hinaus: Um für Ordnung zu sorgen, "gehören Leute vom Magistrat eingesetzt, die kontrollieren", so Weiß. Denn: "Wir sind für die strikte Einhaltung aller Gesetze." - "Schlampige, gedankenlose und präpotente" Tierhalter würden "alle anderen in Verruf bringen". Gerade in einer Großstadt sei ein Hund ein "wichtiger Partner". - "Es wäre traurig, wenn wir keine Hunde in der Stadt haben."