GAH-Stellungnahme zu dem Artikel vom 26.2.2008 TZ! Uni-Klinik Chirurgie
Astrid Ebenhoch 28.05.2008

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir freuen uns über Ihre kritische und konstruktive Berichterstattung!

Bezugnehmend auf Ihren Artikel zu dem Verhalten und den Äußerungen der Uni-Tierklinik Chirurgie LMU durch den Klinikvorstand gegenüber Hundebesitzern, nehmen wir wie folgt zu Ihrer Kenntnisnahme Stellung.

Die Äußerung durch den Klinikvorstand - wie von Ihnen Zitiert - offensichtlich um solche Praktiken zu rechtfertigen, entsprechen unseren Recherchen nach nicht der Wahrheit! Aus diesem Anlass haben wir den Rechnungshof hiervon in Kenntnis gesetzt und bekamen zu der Äußerung "Der Oberste Rechnungshof habe die Tierklinik angewiesen, Behandlungskosten sofort zu kassieren" folgende Antwort: "Der Rechnungshof kann niemand anweisen! Er kann prüfen, soweit er Prüfungsrechte hat, er kann Feststellungen treffen, diese bewerten und schließlich Vorschläge machen. Anweisen kann nur die Aufsichtsbehörde. Soweit zur Stellung des Rechnungshofes im Gefüge der Staatsgewalt."

Im Übrigen gehen bei uns schon seit vielen Jahren ähnliche und andere negative Meldungen, nicht nur in solchen, sondern auch in anderen Fällen der medizinischen Betreuung ein! Im Übrigen können wir an dieser Stelle nur empfehlen, nicht nur Patienten sondern auch Veterinärmediziner und Pfleger die dort arbeiteten zu befragen.

So in einem Fall, einer Humanmedizinerin der wegen des Verdachts auf einen lebensbedrohlichen, akuten Ileus (Darmverschluss) die notärztliche Versorgung mit Not-OP verweigert wurde, weil diese in ihrer Aufregung die Checkkarte vergessen hatte! Auch nachdem diese hilfesuchend und bittend vorschlug Sie würde den Hund da lassen und schnell in ihre nahe gelegene Wohnung in Schwabing fahren um diese zu holen. Diese nahm dann ihren schwer kranken Hund und fuhr in eine Privatklinik in der der Hund sofort operiert werden musste und notärztlich versorgt wurde.

Zwar gibt es gewisse Unterschiede zwischen Human-, und Veterinärmedizinern. Bedauerlicher weise müssen Veterinärmediziner im Gegensatz zu Humanmedizinern nicht einmal einen ethischen Eid ablegen. Wir halten solches Verhalten nicht nur auch aus ethischen sondern auch aus Gründen des Tierschutzes gerade in der heutigen Zeit, für nicht vertretbar. Hunde-, und Tierbesitzer sind immer Privatpatienten und bezahlen Honorare von denen im Zuge unserer Gesundheitsreform beim Menschen, Humanmediziner nur träumen und bekommen hierfür oft nur eine mittelmäßige medizinische Betreuung! Wenn hier bei den Tierärzten eine gesunde Mischkalkulation stattfinden würde, wie dies übrigens auf dem Land immer noch Praxis ist, müsste es solche Fälle nicht geben. Im Übrigen ist solches Verhalten nicht nur Image schädigend für alle Tierärzte die auch Dienstleister sind!

Mit freundlichen Grüßen
Astrid Ebenhoch
1.Vorsitzende
GAH Gesellschaft für artgemäße Hundehaltung e.V.

Tel 089 / 349714
Fax 089 / 33088112
e-mail: ebenhoch@gah-bayern.de
Website: www.gah-bayern.de




Tierklinik gibt Viecherl nur gegen Geld zurück


München - Paris jault. Sie kratzt mit der Pfote auf dem Boden, will mit Frauchen heim. Doch die Ärztin hält den dunkelbraunen Terriermischling zurück. Hannelore A. (65) darf ihren Liebling nicht mitnehmen.

Obwohl die Hündin kuriert ist, muss sie in der Uni-Tierklinik in der Königinstraße (Schwabing) bleiben. Weil die Münchnerin zu wenig Geld hat, um die Rechnung sofort zu zahlen. Ohne Bares oder EC-Karte geht hier seit kurzem nichts mehr.Als Hannelore A. am Samstagabend mit Paris in die Tierklinik kam, hatte sie keine Augen für das Schild, das im Wartezimmer hängt. Paris blutete stark, sie war an der Isar in eine Glasscherbe getreten. 300 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer hieß es später, werde die Behandlung kosten. Weil die Sehnen des Tieres durchgeschnitten waren, war eine OP unter Narkose nötig, im Anschluss ein zwei- bis dreitägiger Aufenthalt in der Klinik. Jetzt, fünf Tage später, steht Hannelore A. schon zum dritten Mal in der Tierklinik, um Paris abzuholen. Die Dame am Empfang verweist immer nur auf das Schild an der Wand: "Aus verwaltungstechnischen Gründen müssen tierärztliche Leistungen grundsätzlich sofort beglichen werden." Aber die ehemalige Dolmetscherin hat kein Geld – nicht dabei und nicht auf dem Konto. "Ich lebe von einer geringen Rente, knapp 600 Euro im Monat", sagt sie. Frühestens zum 1. Juni hat sie wieder Bares. "Bis dahin steigt die Rechnung täglich um 11 Euro. Und meine Paris leidet, weil sie nach Hause will. Das kann doch nicht rechtens sein."

Doch: Leider ist es rechtens. Die Anweisung, nur gegen Bares die Tiere heraus zu geben, kommt sogar von ganz oben. Der Oberste Rechnungshof habe die Tierklinik angewiesen, Behandlungskosten sofort zu kassieren, heißt es auf Anfrage der tz bei der Uniklinik. "In der Vergangenheit wurden zu viele offene Rechnungen nicht bezahlt", sagt Professor Ulrike Matis, Klinikvorstand. Die Außenstände der Klinik sollen sich auf über eine Million Euro belaufen. "Es liegt ja nicht am mangelnden Mitgefühl unsererseits. Wir sind dazu gezwungen. Schon jetzt ist die Konsequenz, dass wir weniger Geld für medizinische Geräte zur Verfügung haben."

Die Münchner Uni-Tierklinik ist kein Einzelfall. "Immer mehr Kliniken in und um München – auch private – verfahren mittlerweile so", sagt Karl-Heinz Joachim vom Münchner Tierheim. Dort landeten bereits in diesem Jahr acht Tiere, die aus Kliniken nicht mehr abgeholt wurden. "Die Tierrettung und wir können zwar Darlehen vergeben, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das reicht nicht für alle."" Denn immer mehr Tierhalter können sich den Tierarzt nicht mehr leisten. Deshalb versucht Karl-Heinz Joachim es jetzt auf direktem Weg: Kommen Vertreter der Staatsregierung zur baldigen Einweihung des Hundehauses, will er Tacheles reden. Immerhin: Hannelore A. kann einen Antrag auf Ratenzahlung stellen. Klinikvorstand Ulrike Matis: "Wir müssen der Uni und der Staatskasse Rechnung ablegen – aber wenn die entsprechenden Papiere, wie etwa der Sozialbescheid, beiliegen, können wir eine entgegenkommende Regelung treffen."

Bis dieser Antrag bearbeitet ist, verstreichen wieder ein paar Tage. Aber auch hier kann die Tierklinik nicht anders: Mit der Prüfung der Einkommensverhältnisse will sich das Haus vor Betrügern schützen, die auf Staatskasse leben wollen. Professor Matis: "Denn die gibt es trotz der vielen Tierschicksale leider auch."

Nina Bautz, ©tz